Dienstag, 8. Juni 2010

Schlendern beginnt im Kopf...

08.06.2010 - Tag 47
Altheim (Riedlingen) - Bad Schussenried
6,5 h - 28 km

Nachdem mich meine Wirtin gestern abend freundlich mit resoluten Worten zu einem frühen Frühstück überzeugt hat, stehe ich fast ne Stunde früher als gewöhnlich auf der Straße und weiß gar nicht, wohin mit mir... Ganz anders offenbar die unvermeidlichen Radfahrer, die mich bald von vorne und von hinten anöden. Anscheinend ist man innerhalb von 5 km Entfernung von einem der großen deutschen Flüsse NIE sicher vor Radfahrern...

Der Wetterbericht gestern abend hat 31 Grad für heute angedroht, ich grille am Vormittag schon in der prallen Sonne. Mit einem Seitenblick auf die Wanderkarte hechele ich dem Dürmentinger Wald zu, den ich schon eine knappe Stunde vorher am Horizont sehen kann. Der Weg führt auf den Waldrand zu und zwischen den Bäumen gähnt ein fast schwarzes Tor, in dem der Weg verschwindet. Endlich im Schatten angekommen ist es erstaunlich kühl. Als ein kleiner Wind durch den Wald kriege ich plötzlich Gänsehaut am Arm. Aber jede noch so kleine Lichtung bringt die Hitze und den Dampf zurück, man spürt innerhalb weniger Meter, wie stark sich die Luft in der Sonne aufheizt.

Hinter Dürnau bekomme ich Luft auf Mittagspause. Es ist ungefähr 13:00 Uhr und die Sonne ist merklich unbarmherzig. Am Waldrand findet sich eine perfekte schattige Bank und ich gönne mir einen kleinen Mittagsschlaf. Irgendwann radelt ein Rennradler vorbei und weckt mich. Ansonsten eine Stunde lang: Kein Auto, kein nix. Sauber. Irgendwann wird es doch recht kalt im Wind, ich ziehe sogar nen Pulli über, während ich mir noch nen Schokoriegel gönne. Als ich wieder loslaufe, erwische ich mich bei dem Gedanken, ob ich den Pulli vielleicht erstmal vorsichtshalber anlassen soll... Wie dämlich - kaum aus dem Schatten getreten, bricht schon wieder der Schweiß aus.

Auf dem Feld komme ich an einem Kuhstall vorbei und muß mal wieder feststellen, daß ich Kühe einfach gut finde. Vorsichtig-neugierig, aber standfest. Nicht so hektisch wie diese Hektikpferde... Unbezahlbar ist der die Seelenruhe der nebenstehend abgebildeten Kuh, die sich gerade an der extra installierten Rückenkratzmaschine vergeht. (Bevor jetzt wieder die Fotografen mosern: Die Stange im Vordergrund ließ sich nicht vermeiden, der Preis der Brennnesseln war mir dann doch zu hoch.) Während ich stehe und gucke, steht und guckt die Kuh auch. Irgendwann stoppt die Zeitschaltuhr des Rückenkratzers, ein kleiner - offensichtlich geübter - Arschwackler der Kuh folgt (natürlich ohne dabei das gemütliche Beobachten des Wanderers zu unterbrechen) und weiter drehen sich die Bürsten. Beneidenswert...

Obwohl der Tag eigentlich recht kurz war, reicht`s mir am Ende doch. Zuviel Sonne, zuviel warm. Ich verkrieche mich im dunklen Hotelzimmer und verzichte auf`s Abendessen.

Noch zwei Tage. Mir wird ganz blümerant...

Kommentare:

  1. Hallo Kilian,
    kurz vor deinem Endspurt möchte ich dir auch noch viele liebe Grüße aus dem "LE"-Land senden.
    Wenn du zu deiner nächsten Tour aufbrichst, was auch immer das sein wird, dann laß uns bitte auch wieder daran teilhaben.
    Grüße Claudia

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Kilian,

    nachdem das Ende deiner Tour bevorsteht, zermarterst du dir sicher schon das Hirn nach neuen Zielen. Mein Vorschlag für den Küheversteher: eine wunderhübsche Kuh mit dem romantischen Namen "7481" (Bild ging dir gerade per Email zu). Brauchst einfach nur immer weiter zu laufen, ins Tessin, Verzasca-Tal ganz oben rechts. Und nicht vergessen: immer schöne weiter Blog führen, denn das ist ja der Sinn dieses Vorschlags ;-)

    Gruß Christoph

    AntwortenLöschen